Kapitel 6 - Ausblick

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Mit der Konkretisierung des Handlungsbedarfs in der Stadtentwicklung wurde ein wichtiger Schritt zur Umsetzung des Leitbildes getan. Es wurde die konzeptionelle Grundlage für eine Weiterentwicklung der bestehenden Stadtstruktur auf baulicher, sozialer, demographischer, ökologischer und ökonomischer Ebene geschaffen.

Es gilt nun die Umsetzung der beschriebenen Konzepte unter Einbeziehung der jeweils aktuellen Entwicklungen in einem kontinuierlichen Prozess voranzutreiben, um im Sinne des Leitbildes „Friedrichsdorf – Bürgersinn und Toleranz“ eine nachhaltige Stadtentwicklung aktiv zu gestalten.

Zukunftsaufgaben

  • Verstetigung der Akteurs- und Bürgerbeteiligung

Eine nachhaltige Stadtentwicklung kann nur Erfolg haben, wenn sie unter Einbeziehung aller relevanten Akteure gestaltet und in Folge von diesen mitgetragen wird. Dieser Prozess der Konsensbildung über Ziele und Wege der Stadtentwicklung ist vor dem Hintergrund vielfältiger gesellschaftlicher, demographischer und wirtschaftlicher Veränderungsprozesse ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Umsetzung der Konzepte und Pilotprojekte.

Eine nachhaltige Stadtentwicklung kann nur Erfolg haben, wenn sie von einer angemessenen Beteiligung und Information der Bürger an der Schnittstelle zwischen Politik, Stadtverwaltung, Vertretern der lokalen Wirtschaft und Fachplanern transparent und offen begleitet wird. Da städtische Entwicklungsprozesse durch eine komplexe Verschränkung verschiedener Einflüsse gekennzeichnet sind, kann die stetige und kontinuierliche Einbindung verschiedener Akteure sicherstellen, dass alle Einflüsse und Interessen in die Entwicklung einbezogen werden und die Maßnahmen und Projekte die Akzeptanz, Unterstützung und Prüfung durch eine breite Basis an Akteuren erfahren.

Bereits in der Analysephase für das vorliegende Stadtentwicklungskonzept hat sich gezeigt, dass die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie weiteren Akteuren zu einem umfassenderen und vollständigerem Bild der Bestandssituation geführt hat. Das Detailwissen einzelner ist von unschätzbarem Wert für das Zusammentragen von gebietsbezogenen Informationen. Die Möglichkeit der Teilhabe am Entstehungsprozess des Stadtentwicklungskonzeptes wurde von den Bürgerinnen und Bürgern Friedrichsdorfs intensiv genutzt. Sei es in Form der Diskussion und Information am Stadtkiosk, bei den Stadtrundgängen oder dem Stadtgespräch im Rathaus.

Für die Zukunft ist von zentraler Bedeutung, dass eine regelmäßige Rückkopplung der Maßnahmen und ihrer Wirkungen mit dem Leitbild zum einen und mit dem Feedback der Akteursbasis zum anderen vorgenommen wird. Besonders bei der zukünftigen Auswahl und der Priorisierung von Maßnahmen bzw. der Entwicklung und Auswahl von Leitprojekten sind die aktive Mitarbeit eines Expertengremiums, der Bürgerschaft, der Vertreter aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft von essentieller Bedeutung.

  • Schwerpunktgebiete und Themen

Für die Zukunft ist die Definition von stadträumlichen und thematischen Schwerpunkten erforderlich. Diese Fokussierung auf bestimmte Themen und / oder Stadträume ermöglicht einen konzentrierten und zielgerichteten Einsatz der vorhandenen oder auch als Fördermittel neu eingeworbenen Mittel. Schwerpunktgebiete sollten thematisch und ortsbezogen möglichst klar abgegrenzt werden, wie es in der Vergangenheit z.B. beim Entwicklungskonzept Kernbereich Friedrichsdorf erfolgreich geschehen ist.

Die jeweilige Gebietsabgrenzung muss dabei nicht statisch beibehalten werden, sondern kann im Zuge der Entwicklung gegebenenfalls verändert werden, wenn sich der vorherige Bezug als nicht zweckmäßig erwiesen hat. Die kontinuierliche Anpassung anfänglich definierter Teilbereiche schafft auch neue Perspektiven für die Mobilisierung neuer projektbezogener Fördergelder. Dies gilt natürlich übertragen auch für thematische Schwerpunkte; wie z.B. der umfassende Ausbau als Bildungsstandort einer sein könnte.

  • Vorbereitung und Durchführung von Leitprojekten

Die Vorbereitung und Umsetzung eines Leitprojektes sollte gleich nach Beschluss des Stadtentwicklungskonzeptes vorbereitet werden. Mit der Umsetzung eines Leitprojektes wie z.B. der Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes kann öffentlichkeitswirksam für die Stadtentwicklung und um die Akzeptanz und Unterstützung aller beteiligten Akteure geworben werden.

Der Entwicklungsprozess Friedrichsdorfs wird mit seinen Zielen und Visionen im öffentlichen Bewusstsein verankert und durch die zeitnahe und erfolgreiche Umsetzung eines Leitprojektes für jeden Friedrichsdorfer zeichenhaft wahrnehmbar und erlebbar. Ein erfolgreiches Leitprojekt steht für die positiven Veränderungen in der Stadt und bereitet auf weitere Impulse und Veränderungen vor.

Die Auswahl und Konzeption des Leitprojektes bedarf daher besonderer Sorgfalt, da ein solches Projekt Vorbildcharakter für die Entwicklung haben und den größtmöglichen Erfolg versprechen sollte. Es lässt sich über die Analyse, das Leitbild, den Handlungsbedarf herleiten und konkretisieren.

Es empfiehlt sich, dass ein Leitprojekt jeweils eine prominente und anerkannte Persönlichkeit als Paten erhält. Dieser Friedrichsdorfer Bürger oder diese Bürgerin kümmert sich in Folge verstärkt um die Umsetzung der Maßnahmen – ein Erfolg des Projektes liegt somit jedem der Beteiligten besonders am Herzen und kann daraus positive Effekte schöpfen.

  • Fortschreibung Leitbild

Das Leitbild ist auf eine kontinuierliche Weiterentwicklung angelegt. Seine inhaltliche Weiterentwicklung ist ein Prozess, der im Zuge der Umsetzung der Maßnahmen im Rahmen des Stadtmonitorings erfolgen kann. Die Fortschreibung des Leitbildes liegt auch in Zukunft im städtischen Parlament. Sie wird durch ein intelligentes Stadtmonitoring unterstützt, das Entscheidungsprozesse transparent hält und finanzielle Mittel effizient zum Einsatz bringt.

Monitoring

Als Steuerungs- und Informationsinstrument für den Prozess der Stadtentwicklung hat das Monitoring in den letzten Jahren bundesweit an Bedeutung gewonnen. Gründe sind demografische und wohnungswirtschaftliche Entwicklungen in den Kommunen, die eine Intensivierung der Steuerung notwendig machen, um zukunftsfähig zu bleiben.

Das Monitoring, in der Stadtentwicklung auch Stadtmonitoring genannt, zeichnet sich dadurch aus, dass auf der Grundlage von dynamischen Indikatoren und ihrer Untersuchung in Zeitreihen, der Entwicklungsverlauf verfolgt und über die aktuelle Situation hinaus bewertet wird.

Die zukünftige räumliche und strukturelle Entwicklung Friedrichsdorfs hängt zum großen Teil von der Stadtentwicklungspolitik ab, die mit dem Leitbild „Bürgersinn und Toleranz“ ihre Ziele formuliert hat und nun die künftigen Entscheidungen an diesen Zielen orientieren und in konkrete Planungen und Maßnahmen umsetzen möchte.

Ob die jeweiligen Maßnahmen und Projekte im Sinne des Leitbildes erfolgreich sind, lässt sich durch Monitoring beobachten und bewerten. Die Stadtentwicklung wird durch das Monitoring kontinuierlich begleitet und in Hinblick auf die Umsetzung der formulierten Ziele analysiert. Zugleich bietet es die Möglichkeit, den sich wiederholenden Prozess des inhaltlichen Abgleichs zwischen Leitbild, konkreter Zielformulierung und Umsetzung zu steuern und für Bürgerinnen und Bürger transparent zu halten.

  • Bedeutung des Stadtmonitorings für Friedrichsdorf

Aus dem Leitbild „Bürgersinn und Toleranz“ werden die Ziele für ein Monitoring abgeleitet. Dann werden Beobachtungsschwerpunkte festgelegt, an deren Entwicklung die Umsetzung der Ziele reflektiert werden kann. Solche Beobachtungsschwerpunkte können unter anderem soziodemographische, ökonomische und baulich-räumliche Größen sein.

Als wesentlichstes Ergebnis des Stadtmonitorings sind jedoch die aus den Einzelresultaten abgeleiteten konkreten Handlungsempfehlungen für die aktuelle Stadtentwicklungspolitik anzusehen.

Ein Friedrichsdorfer Monitoringsystem

  • stärkt die kommunale Analysekompetenz
  • fördert die Zusammenarbeit von privaten und öffentlichen Akteuren in der Stadtentwicklung
  • vereinfacht die Akquisition von Fördermitteln
  • ermöglicht eine inhaltsbezogene Steuerung der Stadtentwicklung.

Der Aufbereitungsprozess der zugrunde liegenden Daten ist thematisch und räumlich fokussiert und basiert auf weitestgehend bestehenden Datenquellen. Dabei betrachtet das Monitoring quantitative und qualitative Parameter. In welchem Umfang der Aufwand im Detail betrieben wird und noch als sinnvoll zu erachten ist, wird situationsspezifisch entschieden.

  • Stadtmonitoring konkret

Das Stadtentwicklungskonzept bzw. das Leitbild hat verschiedene Ziele für die Stadtentwicklung definiert. In den kommenden Jahren gilt es nun, diese Ziele durch Maßnahmen und Planungen umzusetzen.

Inwiefern die Maßnahmen den gewünschten Erfolg bringen, muss kontrolliert werden, um steuernd eingreifen zu können. Das Monitoring könnte in Form eines Stadtentwicklungsberichtes erfolgen, der alle drei Jahre veröffentlicht wird und als Grundlage eines Diskurses zwischen Politik, Verwaltung, Bürgerschaft und Wirtschaft dient.

Der Stadtentwicklungsbericht zeichnet sich durch eine Darstellung der Stadtentwicklung anhand verschiedener Themengebiete aus. In einem ersten Teil behandelt er die qualitative Zielerfüllung der gesamtstädtischen Konzepte und Entwicklungen der räumlichen Schwerpunktbereiche. In einem zweiten Teil wird sich analytisch mit den Prozessen in der Stadtentwicklung, speziell mit der demographischen Entwicklung in Friedrichsdorf, auseinandergesetzt. Der dritte und letzte Teil beschäftigt sich mit einem Indikatorensystem, mit dem Ziel eines schnellen Überblicks über die wesentlichen Aspekte der Stadtentwicklung. Hierzu gibt es mehrere Themenkomplexe wie Wohnen und Flächennutzung, Gesellschaft und Bevölkerung, Umwelt und Natur, Wirtschaft, Verkehr und Mobilität sowie Soziales und Kultur. Es wird eine kurze Bewertung abgeben, die in die Kategorien „positive Entwicklung“, „keine Entwicklung“, „negative Entwicklung“ eingeteilt ist.

  • Handlungsempfehlung

Stadtmonitoring ist vor dem Hintergrund der Leitbilddefinition für die aktive Steuerung der zukünftigen Stadtentwicklung eine Notwendigkeit, besonders im Hinblick auf Überprüfung von Maßnahme und Wirkung der verschiedenen Planungen und Ziele. Es liefert neben der Bewertung von umgesetzten Maßnahmen auch die Grundlage für weitere Planungen und ggf. die förderrechtliche Begründung von konkreten Projekten.

Für das Monitoring lassen sich folgende Empfehlungen geben:

Monitoring im Stadtentwicklungsprozess soll ein Schlüssel zur Beobachtung und Reflektion der Stadtentwicklung sein. Es muss den stetigen Veränderungsprozessen in der Stadtentwicklung durch größtmögliche Flexibilität gerecht werden.

Bei der Entwicklung eines Indikatorensystems muss zwischen einer differenzierten Datenerhebung und einem vertretbaren Verwaltungsaufwandes abgewogen werden. Um den Aufwand für eine Primärdatenerhebung reduzieren zu können, sollte das Monitoring möglichst auf vorhandene Daten zugreifen. Daher sollten sich die Indikatoren am Datenbestand orientieren.

Monitoring in der Stadtentwicklung erfordert auch immer „Mut zur Lücke“. Ein Monitoringsystem sollte immer anpassungsfähig sein, da die Ziele des Monitorings und kommunale Rahmenbedingungen sich immer verändern können. Daher sollte das Monitoring quantitative und qualitative Elemente umfassen.

Wichtige städtische Akteure sollten als relevanten Datenlieferanten und Nutzer am Monitoring teilhaben. Es soll sich um einen offenen, kommunikativen und kooperativen Steuerungs- und Informationsprozess handeln.

Stadt Friedrichsdorf