Zusammenfassung

In den Jahren 2006 bis 2009 wurde das Stadtentwicklungskonzept „Stadt25+ Friedrichsdorf" unter intensiver Öffentlichkeitsbeteiligung erarbeitet und Anfang 2010 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Ein regelmäßiges Monitoring wurde empfohlen und durchgeführt. Aufgrund der Änderung verschiedener Rahmenbedingungen wurde 2018 die umfangreiche Evaluierung und Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzepts begonnen.

Das aktualisierte Stadtentwicklungskonzept gliedert sich in sechs Kapitel plus Anhang. Im Anhang sind zehn Karten zu verschiedenen Themen der Analyse sowie fünf Karten zu den Handlungserfordernissen der Themen „Wohnen“, „Stadtbild“, „Gewerbe, Einzelhandel und Gastronomie“, „Mobilität“ und „Grün-, Freiflächen und Stadtklima“ zu finden.

 

Kapitel 1 Einleitung stellt den Anlass und die Zielsetzung und die Vorgehensweise der Aktualisierung sowie die durchgeführte Öffentlichkeitsbeteiligung dar.

 

Die Strategische Analyse in Kapitel 2 umfasst die acht Themenbereiche 

  • Regionale Einbindung und gesamtstädtische Situation 
  • Bevölkerung und Demografie 
  • Wohnungsmarkt und Wohnraumversorgung 
  • Siedlungsstruktur, Stadtbild und Stadtidentität 
  • Arbeitsmarkt und Gewerbe, Einzelhandel und Gastronomie 
  • Soziale Infrastruktur 
  • Mobilität und technische Infrastruktur 
  • Grün- und Freiräume, Klima und Umwelt

Die Regionale Anbindung Friedrichsdorfs ist durch die Metropolregion FrankfurtRheinMain und damit auch durch den Regionalen Flächennutzungsplan geprägt. Das Stadtgebiet erstreckt sich über 3.013 Hektar und umfasst die Stadtteile Friedrichsdorf, Köppern, Seulberg und Burgholzhausen mit insgesamt 25.600 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Im Bereich Bevölkerung und Demografie zeigte sich insbesondere, dass sich das Bevölkerungswachstum bis ins Jahr 2030 fortsetzen und die Bevölkerungsentwicklung damit deutlich positiver ausfallen wird als 2010 angenommen. Das Durchschnittsalter in Friedrichsdorf liegt bereits heute im Vergleich zu den Nachbarkommunen deutlich höher und wird zukünftig weiter steigen. Der anhaltende Trend der Individualisierung der Lebensstile wirkt sich auch auf Friedrichsdorf aus und bedeutet neben einer zunehmenden Wohnfläche pro Kopf gleichzeitig kleiner werdende Haushaltsgrößen.

Die Lage in der boomenden Metropolregion FrankfurtRheinMain wirkt sich deutlich auf den Wohnungsmarkt und die Wohnraumversorgung in Friedrichsdorf aus. Deutliche Preisanstiege sind sowohl bei der Miete als auch beim Kauf von Wohnimmobilien zu beobachten, da der Bedarf deutlich über dem Angebot liegt. Neben Potentialen im Bestand weist Friedrichsdorf zahlreiche Wohnbauflächenpotenziale auf.

Siedlungsstruktur, Stadtbild und Stadtidentität ergeben sich aus der Gemeinsamkeit aller Stadtteile, aus einem historischen Stadtkern entstanden zu sein. Ergänzt werden diese Kerne durch verschiedene Quartiere mit eigener Charakteristik, abhängig von Entstehungszeitraum und Wohntypologie. Verkehrswege, Grün-, Frei- und Waldflächen sowie Gewässer wirken sich prägend auf die Siedlungsstruktur aus. In einigen Bereichen werden Potentiale bezüglich der Stadtgestaltung aufgezeigt. Ein gezieltes Stadtmarketing unter Einbeziehung verschiedener Akteure trägt dazu bei, das Image und die Stadtidentität nachhaltig positiv zu beeinflussen.

Der Bereich Arbeitsmarkt und Gewerbe zeichnet sich in Friedrichsdorf durch gut gelegene und ausgestattete Gewerbeflächen aus, zudem sind historisch gewachsene innerorts gelegene Betriebe zu finden. Besonders auffällig ist ein hoher Anteil an Beschäftigten im produzierenden Gewerbe.

Die Versorgung mit Einzelhandel ist insgesamt in allen Stadtteilen als gut zu bewerten, wobei noch Potenziale in Spezialsegmenten zu finden sind. Die zentralen Versorgungsbereiche „Hauptzentrum Innenstadt Friedrichsdorf“ und „Nahversorgungszentrum Köppern“ bilden dabei die Schwerpunkte. Im Bereich des gastronomischen Angebots sind vermehrt Lücken zu erkennen, sowohl die Verteilung über die Stadtteile als auch das Angebot an gehobener Gastronomie betreffend.

Die Analyse der verschiedenen sozialen Infrastrukturen zeigt nur in wenigen Bereichen Handlungsbedarf auf. Dazu gehört der Ausbau von Krippenplätzen sowie von Angeboten für Jugendliche und für die steigende Zahl älterer Personen. In den Bereichen Sport- und Freizeitangebot, Kultur sowie medizinische Versorgung besteht in Friedrichsdorf ein gutes bis sehr gutes Angebot, was einen entscheidenden Standortfaktor für die Stadt darstellt. Friedrichsdorf ist in der Region FrankfurtRheinMain verkehrlich gut angebunden.

Das Mobilitätsangebot in Friedrichsdorf ist mit dem Radverkehrskonzept, Car-Sharing, E-Ladestationen und Ansätzen zur Multimodalität breit aufgestellt. In Teilen weist der innerörtliche Busverkehr jedoch Angebots- und Erreichbarkeitslücken auf. Die Bahnhöfe in den Stadtteilen sind bezüglich Barrierefreiheit an verschiedenen Stellen verbesserungsbedürftig. Die technische Infrastruktur ist größtenteils als tragfähig und gut ausgebaut zu beschreiben.

Abschließend zeigt die Analyse der Themen Grün- und Freiräume, Klima und Umwelt, dass Friedrichsdorf über eine attraktive naturräumliche Lage in einem abwechslungsreichen Landschaftsraum verfügt. Einige innerstädtische öffentliche Bereiche haben Potential für eine qualitative Steigerung. Die Bedeutung von Klimaschutzmaßnahmen sowie einer nachhaltigen Energieversorgung wurde bereits in Ansätzen erkannt. Die Aufstellung eines Klimaschutzkonzepts ist vorgesehen.

 

In Kapitel 3 Evaluierung wurde das 2010 beschlossene Stadtentwicklungskonzept evaluiert. Die derzeit aufgestellten Thesen und Ziele wurden vor dem Hintergrund der aktuellen Rahmenbedingungen überprüft. Gleiches gilt für das Leitbild, wobei sich ein gesondertes Leitbild, ergänzend zu den aufgestellten Zielen und Thesen, für die Fortschreibung als nicht zielführend erwies.

Die Auswertung der bestehenden oder geplanten Konzepte (Kapitel 5 „Handlungsbedarf“ 2010) zeigte, dass von 39 damals bestehenden Konzepten zwischenzeitlich 24 Konzepte vorliegen oder sich in Umsetzung befinden. Einige der bestehenden Konzepte wurden seit 2010 thematisch abgearbeitet oder in andere Konzepte übernommen.

Die vier Konzepte „Kernbereich Friedrichsdorf“, „Stadteingang Bahnhof Friedrichsdorf“, „Stadtbild Friedrichsdorf“ und „Wohnbauflächen in Friedrichsdorf“ waren ein zentraler Bestandteil des Konzepts 2010 mit Leitcharakter für die zukünftige Stadtentwicklung. Sie wurden hinsichtlich ihres Umsetzungsstands analysiert. Am weitesten umgesetzt ist das Konzept „Kernbereich Friedrichsdorf“. Das Konzept „Stadteingang Bahnhof Friedrichsdorf“ steht nach umfangreicher Überarbeitung kurz vor dem Baubeginn. Das Konzept „Stadtbild“ hat Bestand und sollte weiter erfolgt werden. Die Betrachtung des Wohnbauflächenkonzeptes hat gezeigt, dass die 2010 getroffenen Prognosen des Bevölkerungswachstums für 2020 bereits jetzt weit übertroffen werden. Die Deckung des Wohnbauflächenbedarfs ist ein Thema mit aktuellem Handlungsbedarf.

 

Die Thesen der Stadtentwicklung in Kapitel 4 stellen das zentrale Grundgerüst der zukünftigen Stadtentwicklung in Friedrichsdorf dar. Sie wurden aus den Ergebnissen der Analyse und Evaluierung abgeleitet und bilden die Grundlage für die zukünftigen Handlungserfordernisse. 

    • Die Stadt im Dialog – partizipativ gemeinsam entwickeln
    • Die Stadt für alle Generationen – attraktiv für jedes Alter
    • Die attraktive Stadt mit Identität und Historie –
      lebenswerte Stadtteile und Wahrung der Ortskerne
    • Die grüne Stadt am Rande des Taunus –
      Freiflächen- und Umweltqualitäten nutzen und schützen
    • Die klimafreundliche Stadt –
      Klimaschutzziele definieren und zielstrebig umsetzen
    • Die Stadt mit behutsamer Wohn- und Siedlungsflächenentwicklung – individuell, zukunftsweisend, nachfragegerecht
    • Die Stadt als starker Wirtschafts- und Arbeitsort –
      Raum für Innovation, Kreativität und Handel
    • Die Stadt mit zukunftsweisender Mobilität und einer zukunftsfähigen Infrastruktur – vernetzen und umfassend versorgen
    • Die Stadt mit qualitätsvollem Bildungsangebot –
      in Breite und Spitze fördern
    • Die vitale Stadt –
      umfangreiches Gesundheitsangebot sichern und stärken
    • Die fürsorgliche Stadt –
      Versorgung und Betreuung für Jung
      und Alt
    • Die Stadt zum Erleben –
      Vielfalt bei Sport, Kultur und Naherholung
    • Die tolerante und engagierte Stadt –
      Zusammenhalt und Gemeinschaft aller Bürgerinnen und Bürger

 

In Kapitel 5 werden die zukünftigen Handlungserfordernisse sowohl themen- als auch stadtteilbezogen aufgeführt. Dabei greifen sie ineinander und sind im Sinne einer integrierten Stadtentwicklung gesamthaft zu sehen.

In Kapitel 5.1 werden den Themen eine oder mehrere Thesen sowie die folgenden Handlungserfordernisse zugeordnet:

5.1.1 Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligung 

  • Fortführung der Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligung 
  • Berücksichtigung/Abbau der in der Bevölkerung bestehenden Skepsis bezüglich eines weiteren Wachstums

5.1.2 Bevölkerung 

  • Kontinuierliche Beobachtung der Bevölkerungsentwicklung 
  • Anpassung der Stadtentwicklung an die alternde Bevölkerung 
  • Sicherung und Hinzugewinn von jungen Menschen und Familien

5.1.3 Wohnen 

  • Deckung des Wohnraumbedarfes in verschiedenen Segmenten und für verschiedene Zielgruppen 
  • Gezielte Steuerung der Wohnbauflächenentwicklung 
  • Überprüfung und Beobachtung der Bestandsgebiete

5.1.4 Stadtbild und Identität 

  • Langfristige und ganzheitliche Aufwertung der Innenstadt 
  • Sicherung/Revitalisierung Houiller Platz 
  • Entwicklung Baugebiet Hoher Weg 
  • Konzept für eine städtebauliche Entwicklung des Goers-Geländes 
  • Stadtbildpflege 
  • Fortführung der Aktivitäten im Bereich der Stadtidentität

5.1.5 Gewerbe, Einzelhandel, Gastronomie 

  • Sicherung der Arbeitsplätze und weitere Attraktivitätssteigerung für neue Unternehmen 
  • Aufwertung und Nutzungsintensivierung Gewerbegebiet Seulberg 
  • Sicherung, Stärkung und Weiterentwicklung der Einzelhandelsstruktur der Einzelhandelsstandorte Hugenottenstraße und Houiller Platz 
  • Sicherung der Nahversorgungseinrichtungen in den Stadtteilen 
  • Sicherung und ggf. qualitätsvolle Ergänzung des gastronomischen Angebotes

5.1.6 Soziale Infrastruktur 

  • Sicherung und Beibehaltung des Bestandes 
  • Modernisierung der Stadtbücherei 
  • Sicherung und Verbesserung der Gesundheitsversorgung in den Stadtteilen 
  • Entwicklung eines Gesundheitszentrums im Bereich des Houiller Platz 
  • Sicherung und Ausbau des öffentlich zugänglichen Gesundheitsangebots 
  • Weiterer Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen 
  • Ergänzung von Angeboten für Jugendliche 
  • Ausbau der Pflege- und Betreuungseinrichtungen sowie weiterer ergänzender Infrastrukturen für Senioren 
  • Weitere Unterstützung und Sicherung der Vereine und des ehrenamtlichen Engagements
  • Erhalt, Sicherung und Erweiterung des attraktiven Freizeit-, Sport- und Kulturangebotes als wichtiger weicher Standortfaktor

5.1.7 Mobilität und technische Infrastruktur 

  • Sicherung und Ausbau eines tragfähigen ÖPNV-Netzes und alternativer Mobilitätsformen 
  • Vernetzung der Mobilitätsformen durch Mobilitätsstationen 
  • Stärkung und Qualifizierung des Rad- und Fußwegenetzes 
  • Verbesserung der Verkehrssicherheit 
  • Ausbau und bauliche Anpassung der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur 
  • Lückenschließung Breitbandausbau und Fortführung der Digitalisierung

5.1.8 Grün-, Freiflächen und Stadtklima 

  • Erfassung und Sicherung der klimatisch bedeutsamen Bereiche und Aufstellung eines Klimaschutzkonzeptes 
  • Verstärkte Berücksichtigung von Aspekten des Klimaschutzes bei der Planung neuer Vorhaben und im Bestand sowie Klimaanpassung der bestehenden Strukturen 
  • Erhalt und Aufwertung von öffentlichen Grün- und Freiflächen im Innenbereich 
  • Sicherstellung einer Anbindung der Stadtteile an den umgebenden Landschaftsraum

Aus den Handlungserfordernissen leiten sich insgesamt 118 Handlungsempfehlungen ab.

 

In Kapitel 5.2 werden, konkret auf jeden Stadtteil bezogen, die wichtigsten Handlungserfordernisse und -empfehlungen zusammengefasst.

 

Der abschließende Ausblick in Kapitel 6 hebt heraus, dass Stadtentwicklung ein dynamischer Prozess ist. Die Einbeziehung aller relevanten Akteurinnen und Akteure ist ebenso bedeutsam wie die Akquise von Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten. Der Innenstadt- und der Wohnbauflächenentwicklung werden eine hohe Priorität beigemessen, wobei diese immer in Zusammenhang mit Anforderungen der technischen und sozialen Infrastruktur, des Klimaschutzes und unter ökologischen Aspekten gesehen werden müssen.

Die Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes „Stadt 25+ Friedrichsdorf“ von 2010 trägt den vorgenannten Aspekten für einen Zeithorizont von 15 Jahren Rechnung. Ein erstes Monitoring sollte in ca. fünf Jahren erfolgen, um frühzeitig auf neue Entwicklungen reagieren zu können.

Stadt Friedrichsdorf